Calling All Dawns: Stück für Stück (Teil 4)

Im vierten Teil unserer Serie „Stück für Stück“ sind wir im zweiten Satz des Werkes angekommen – zur Erinnerung: Das Album „Calling All Dawns“ besteht aus den drei Sätzen Tag, Nacht und Dämmerung, welche dem Leben, Tod und Wiedergeburt entsprechen sollen.

6. Lux æterna

Auf den franzözischen Titel “Rassemblons-nous“ folgt ein weiterer Titel in einer Sprache, die den Ohren deutscher Zuhörer irgendwie bekannt vorkommt: Das lateinische „Ewige Licht“ ist den Lesern vor allem in der deutschen Übersetzung geläufig: „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen.“ In der Totenmesse der katholischen Kirche fällt dieser Satz, wenn man um das Seelenheil der Verstorbenen bittet.

Wie zu erwarten, ändert sich der Ton des Albums im zweiten Satz: War der Tag größtenteils optimistisch und zuversichtlich, herrschen in der Nacht traurige Moll-Tonarten vor und auch die Instrumentierung ändert sich: Eine Harfe steht im Vordergrund und dominiert gemeinsam mit den Holzbläsern – passen Fanfaren und Signale der Blechbläser doch eher schlecht zum Totengesang.

7. Caoineadh

Der zweite Titel der “Nacht“ spielt weiterhin in Europa: Das Irische (bzw. Gälische) „Caoineadh Airt Uí Laoghaire” wurde 1773 geschrieben und ist ein Klagelied, das die Dichterin Eileen O’Connell anlässlich des Todes ihres Mannes Airt Ó Laoghaire (Art O’Leary) geschrieben hat.

Ein Streit zwischen dem katholischen Art und einem evangelischem Grundbesitzer eskalierte. Dieser nutzte die damalige Gesetzeslage zur Verfolgung von Katholiken aus und ließ Art als gesetzlos erklären, worauf dieser einige Tage später erschossen wurde.

Das Werk folgt der traditionellen Form des gälischen Klagelieds und lobt das Lebenswerk des Verstorbenen, zelebriert seine Taten, droht seinen Feinden mit Vergeltung und ruft den Verstorbenen zur Wiederauferstehung auf.